Interview – «Wie wird man Winzer am Zürichsee?»

Bevor er sich auf Weinbau spezialisierte, war Jonas Ettlin, Referent am Männertreff vom 8. März, im Tourismus tätig. Was in bewog umzusatteln und wo Vor- und Nachteile des Anbaugebiets liegen, das er mit einem Partner betreibt, beschreibt er im Interview.

Jonas Ettlin. Sie waren lange im Tourismus tätig. Was hat Sie bewogen, auf Weinbau umzusatteln?

Diesen Wechsel habe ich aus zwei Gründen vollzogen: Ich war bereits mit 27 Jahren im Kader von Schweiz Tourismus in der Funktion als Direktor für die russischsprachigen Länder. Mit etwa 30 wurde mir bewusst, dass ich schon weit oben stand, und das war für mich beängstigend: Sollte ich die nächsten 35 Jahre das Gleiche machen?  Gleichzeitig war der Job bei Schweiz Tourismus eigentlich mein Traumjob mit dem einzigen Problem, dass ich Produkte vermarktete, die von anderen produziert wurden. Mir fehlte es, selber etwas zu schaffen. Da erinnerte ich mich daran zurück, mich mit 16 informiert zu haben, wie und wo man Oenologie studieren könne. Also besuchte ich bei einem Aufenthalt in der Schweiz halb geschäftlich die Weinbauschule in Changins, Nyon VD, und die tat es mir an. Auf der Zugfahrt nach Zürich ins Büro von Schweiz Tourismus schrieb ich die Kündigung und meldete mich gleichzeitig fürs Oenologie-Studium an, obwohl ich damals noch kein Französisch sprach.


Wo liegt Ihr Anbaugebiet und welche Vorzüge/Nachteile bietet es?

Wir sind hauptsächlich in Uetikon am See zuhause. Uetikon bedeutet perfekt süd-gerichtete Lagen mit sehr viel Sonneneinstrahlung und jahrhundertalter Weintradition. Daneben konnte ich noch den Weinberg der Stadt Kloten pachten und mache da die Stadtweine.  Grundsätzlich sind die Lagen perfekt für Weissweine und komplexe Pinot Noirs – was wir aber sicher nicht können, sind schwere Rotweine, die in Zürich so beliebt sind. 


Was sind die Herausforderungen für einen Neueinsteiger ins Winzergewerbe im Raum Zürich?

Erstmals ist es beinahe unmöglich, ohne Familien-Weingut ein Weingut am Zürichsee zu übernehmen. Wenn das aber – wie in meinem Fall – klappt, merkt man schnell, dass niemand auf einen gewartet hat. Also heisst es, herauszustechen – aber die Kollegen machen schon hochklassigen Wein. Wir machen aber dennoch einiges anders: Wir sind einer von ganz wenigen Bio-Betrieben, arbeiten gar biodynamisch, dann versuchen wir einen zeitgemässen Auftritt, und nicht zuletzt sind wir wohl die einzigen, die verstärkt auf Export setzen.


Sie betreiben Wine by JET mit einem Partner? Wie sieht Ihre Arbeitsteilung aus?

Brian Serr ist ausgebildeter Winzer und Oenologe. Er ist zuständig für die Reben. Ich meinerseits bin sehr gerne in den Reben, aber kümmere mich vor allem auch um den Weinkeller, die Administration und den Verkauf.


Ich bin ein absoluter Weinbanause und wenn ich trinke, dann nur Weisswein. Welchen Ihrer Weine und warum empfehlen Sie mir zu meinem 60. Geburtstag?

Ich bin der Meinung, dass unsere Heimsorte, der Räuschling am Zürichsee nie fehlen sollte. Wir feiern grosse Erfolge mit dieser zitronig-frischen Sorte, und da können wir auch zuhause an unserem schönen See stolz darauf sein. Nun darf aber zu einem runden Geburtstag auch eine Spur Überraschung für die Gäste nicht fehlen, daher empfehle ich unseren Vivace Räuschling aus der Signature-Linie. Aber unbedingt in der Magnum, denn man darf sich ja stilvoll geben. Wir haben uns Grossflaschen auf die Fahnen geschrieben und propagieren mit einem Augenzwinkern unseren Slogan «In Magnum We Trust».

Was erwartet die Teilnehmer des Männertreff am 8. März?

Wie wird man Winzer am Zürichsee, ohne aus einer Winzerfamilie zu stammen? Das ist meine Geschichte, mit Anekdoten und Erlebnisberichten. Diese alles andere als alltäglichen Erzählungen werden untermalt mit unserem natürlichen Wein aus Uetikon.

Interview: Robin Ziltener 

Männertreff, Fr, 8. März 2024, ref. KGH, 18.30 Uhr: Apéro,mit Nachtessen, ca. 20.00 Uhr: Referat, Kostenbeitrag: 40 Franken. Anmeldung bis 4. März über www.refkilch.ch/anmeldung oder Tel. 044 715 56 51

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