Abschluss EPROBA

Das Engagement der Kilchberger Kirchen für das Berufsschulprojekt EPROBA in Kinshasa/DRK dauert nun schon 35 Jahre. Vielen Generationen von jungen Kongolesinnen und Kongolesen konnte durch die duale Ausbildung ein erfolgreicher Start ins Berufsleben ermöglicht werden. Die Bauschule genoss einen sehr guten Ruf und wir hatten grosse Pläne für die Zukunft. Die Erneuerung des Schreinerateliers wurde noch mit Hilfe des verstorbenen Kilchbergers Hans Greuter begonnen. So steht heute ein Schiffscontainer mit Werkbänken und Occasionmaschinen aus der Schweiz in Kinshasa; leider nicht bei der Eproba. Das Verhältnis mit der Prespyterianischen Kirche von Kinshasa (CPK) wurde in den letzten Jahren immer schwieriger. Auf dem Gelände dieser Kirche steht die EPROBA und CPK fungiert gegenüber dem Kongolesischen Staat als Betreiber der Schule. Es wurden immer mehr Schüler aufgenommen, so dass die praktische Ausbildung auf der Strecke blieb. Auch unqualifizierte Lehrer und Führungspersonen wurden aus dem Kreise der CPK nominiert. Leider kam es auch zu finanziellen Unregelmässigkeiten (nicht mit Kilchberger Geld !), was in einem Streik der «alten» Lehrer im November 2023 mündete. Auch persönliche Gespräche mit den CPK Verantwortlichen vor Ort in Kinshasa im April 2024 brachten keine Besserung. Daraufhin haben wir die Unterstützungszahlungen aus Kilchberg gestoppt, denn Eproba bietet keine duale Ausbildung mehr an. Dies war und ist immer noch ein Grundpfeiler unserer Unterstützung !

2015 wurde für die Eproba eine Photovoltaikanlage (PV) erstellt. Aus diesem Projekt entwickelte sich ein Kurs in PV Technik, finanziert von der Stiftung Greuter-Briner (SGB), der nun schon über 10 Jahre sehr erfolgreich läuft. Aktuell findet dieser Jahreskurs nun zum ersten Mal in einem neuen Schulhaus ausserhalb der Eproba statt. SGB konnte von der Familie des Eproba Gründers Gilbert Kabangu ein Gelände pachten, auf dem wir ein bestehendes Gebäude zu einem Schulhaus umgebaut haben. Hier steht übrigens auch der rote Schiffscontainer mit der Schreinerausrüstung. In einem nächsten Schritt planen wir ein weiteres Gebäude für die Schreinerei inkl. Schulräume. Für den formellen Rahmen der neuen Schule wurde der Trägerverein «Assosciation pour la Formation Professionnelle de la Jeunesse Congolaise»(AFPJC) gegründet. Die Schule heisst «Institut de Competences Professionnelle de l’AFPJC» (ICPA). Beide Institutionen wurden vom Kongolesischen Berufsbildungsministerium anerkannt und werden regelmässig überprüft. Aber wer sind die Menschen dahinter? Geleitet wird die ICPA von Joel und Henry, zwei jungen und sehr engagierten Lehrern der Eproba. Henry hatten wir als Directeur bei Eproba vorgeschlagen. Drei weitere Lehrer vom PV Kurs sind dabei und natürlich auch Jean Gilbert Kabangu als Berater. Es geht ja auch um sein Lebenswerk. Weitere sieben Mitarbeiter:Innen sorgen für Administration, Unterhalt und Bewachung des Geländes.

Ich muss immer wieder staunen, was in den letzten zwei Jahren passiert ist. Der Schmerz über den Abschied von Eproba ist immer noch stark. Auf der anderen Seite fast Unglauben, was schon neu aufgebaut wurde und was noch geplant ist. Martine Giezendanner-Kabangu arbeitet wöchentlich, auch via Videokonferenz, mit den Verantwortlichen in Kinshasa zusammen. Daraus ergibt sich Vorwärtsgehen und auch Kontrolle.

Vor allem durch das sehr grosszügige Legat von Hans Greuter haben wir mit der Stiftung SGB die Möglichkeit erhalten, ein solches Schulprojekt überhaupt ins Auge zu fassen. Natürlich sind bei den Budgetprognosen noch viele Unbekannte enthalten. Was aber klar ist: Für die jährlichen Betriebskosten brauchen wir Partner. Die jährlichen Zahlungen der beiden Kilchberger Kirchen wurden bei Eproba genau dafür eingesetzt. Nun hoffen wir sehr, dass diese auch das neue Projekt unterstützen. Die Mitglieder der Ref. Kirche und der Kath. Kirche haben dazu 2025 ja gesagt. Ein herzliches Dankeschön auch an dieser Stelle.

Markus Vogel, Beirat Stiftung SGB

Der Abschied von EPROBA nach 35 Jahren gemeinsamen Engagements ist ein bedeutender Schritt. Die Entwicklungen der vergangenen Jahre und die Gründe, die zu diesem Entscheid geführt haben, werden nachfolgend nochmals zusammengefasst. Gleichzeitig zeigt sich: Die ursprüngliche Idee von EPROBA – jungen Menschen in Kinshasa eine praxisorientierte Berufsausbildung zu ermöglichen – soll weiterleben.

Abschied von Eproba: Warum?
Es findet aktuell keine Ausbildung mehr statt mit Schwerpunkt auf der praktischen Arbeit (Duale Berufsbildung nach Schweizer Vorbild)!
2015 wurde der sog. «Cycle Long» eingeführt (4 Jahre, staatlicher Abschluss, sehr theorielastig). Dies entgegen dem Willen der Gründer Gilbert Kabangu und Hans Greuter.

Zwischen 2018 und 2021 wurde die Schülerzahl von 170 auf 370 mehr als verdoppelt, dies ohne zusätzliche Infrastruktur. Wegen des Platzmangels werden die Ateliers für den theoretischen Schulunterricht «missbraucht» 2021 wurde ein neuer Schulleiter von der CPK eingesetzt und der schulintern vorgeschlagene, erfahrene Lehrer übergangen. Die Zusammenarbeit entwickelte sich schwierig und gipfelte 2023 in einem Streik der Lehrer.

2024 zeigte dann leider klar, dass die CPK-Verantwortlichen nicht willens sind, die Eproba wieder in Richtung praktischer Berufsbildung zu verändern. Abmachungen, welche am Conseil d’Administration im April 2024, an welchem M. Giezendanner und M. Vogel anwesend waren, vereinbart wurden, wurden nicht umgesetzt. Gemäss Statuten der Stiftung Greuter-Briner darf das Legat von Hans Greuter nur für die praktische Berufsbildung in Afrika eingesetzt werden!

Wie die Idee von EPROBA mit AFPJC / ICPA weitergeführt wird, erfahren Sie auf unserer neuen ProjektseiteZum neuen Projekt AFPJC / ICPA«