Warum engagiere ich mich als Freiwillige?

Seit über 20 Jahren ist Vreni Deuchler in der Bibliothekskommission als Freiwillige tätig, wo sie unter anderem Protokolle schreibt. Dass sie, die im englischsprachigen Ausland aufgewachsen ist, einmal sogar Mühe mit der deutschen Sprache hatte, wissen die wenigsten. Warum arbeitet sie ehrenamtlich für uns? Erfahren Sie mehr darüber.

Als mein Mann und ich vor 55 Jahren in der reformierten Kirche Kilchberg heirateten, bat uns der damalige Pfarrer Hans Rudolf Walser, inhaltlich etwas zum Gottesdienst beizutragen. Das taten wir mit viel Eifer, und darauf folgte schon bald die Anfrage, ob wir uns nicht als Sonntagsschullehrer betätigen möchten. Das war also mein erster Freiwilligeneinsatz bei der Kirche. Ich war in Kilchberg als Primarlehrerin schon bekannt. Aufgewachsen im englischsprachigen Ausland, brachte ich Ideen ein, die damals hier neu waren. Beispielsweise organisierte ich eine mehrtägige Wanderung entlang der historischen Gotthardroute von Kilchberg nach Bellinzona und wir übernachteten jeden Abend an einem anderen Ort. Meine Freude am Theaterspielen brachte es mit sich, dass ich mit den Sonntagsschulkindern gerne die Aufführungen der Sonntagsschulweihnacht einstudierte.

Seit gut 20 Jahren bin ich in der Bibliothekskommission tätig. Unter anderem schreibe ich z.B. das Protokoll unserer Sitzungen. Das hat seinen Grund. Als ich nach langen Jahren im Ausland die Matura machen wollte, fiel ich in Deutsch durch. Wir hatten zwar zu Hause immer Schweizerdeutsch gesprochen, aber die Schriftsprache kam zu kurz. «Protokollieren» war ein gutes Mittel, in der Schriftsprache sattelfester zu werden. 

Die Zusammenarbeit mit den anderen Mitgliedern der Kommission sowie der Kontakt mit den Menschen, die Bücher ausleihen, macht mir Freude, und ich lerne viele lesenswerte Bücher kennen. Für mich ist es eine Selbstverständlichkeit, mich ehrenamtlich zu betätigen. Das hängt einerseits mit meiner Erziehung zusammen, in der mir meine Eltern vorlebten, dankbar zu sein. Anderseits aber auch mit meiner Sozialisation in den USA, wo man von gut situierten Menschen erwartet, dass sie sich freiwillig für andere engagieren. Ob wir uns nun in England oder Amerika aufhielten, war es meiner Mutter wichtig, mit der ganzen Familie die jeweilige protestantische Kirche zu besuchen. Zum einen des Glaubens wegen, zum anderen aber auch, weil dies ein Mittel war, mit den Leuten vor Ort in Kontakt zu kommen. Ich denke, das könnte auch für viele hier ansässige Ausländerinnen und Ausländer ein Weg sein, die manchmal doch sehr zurückhaltende Schweizer Bevölkerung näher kennenzulernen.

Vreni Deuchler

Zurück

Hinterlassen Sie einen Kommentar