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Interview – Freitag-Frauen-Apéro vom 30. September

Die letzte Referentin der diesjährigen Freitag-Frauen-Apéro-Reihe gibt einen Einblick in Ihre Arbeit. Alles dreht sich bei ihr um Nachhaltigkeit und Gestaltung.

Frau Mattner, der Titel Ihres Referats ist «Aus Alt macht Neu». Das macht einen sehr praxisbezogenen Eindruck. Worauf dürfen sich die Teilnehmerinnen des FFA freuen?

Ich werde meine diversen Projekte vorstellen, etwas zu den Kollaborationen und meinen Anfängen erzählen – in meiner künstlerischen Praxis drehte sich nämlich von Anfang an alles um Reste und Nachhaltigkeit.

Was muss ich mir unter «Upcycling Mode» vorstellen?

Von «Upcycling Mode» spricht man, wenn Designerstücke einen höheren Wert haben als das Ausgangsmaterial. Recycling ist der umgekehrte Prozess, bei dem meist neue Materialien entstehen, die einen geringeren Wert haben als das Ausgangsprodukt. Beim Upcycling verwenden wir die Stoffe direkt so wie sie sind, jedoch gewaschen. Das hat den Vorteil, dass Kleidungsstücke, die zuvor nicht waschbar waren, es danach sind. Bei hochwertigen Materialien wie Seide und Wolle kommt das oft vor.

Können Sie ein Beispiel aus Ihrer Praxis nennen?

Zum Beispiel Kapuzen. Ich sammle handgestrickte Wollpullover und benutze den Strick als Stoff, um daraus eine gefütterte Kapuze herzustellen, die Schal und Kappe zugleich ist. Es braucht Zeit und Lagerplatz, aber dafür ist dann die Herstellung der Kapuze viel weniger aufwändig als ein Massenprodukt, das von Grund auf neu produziert wird.

Für eine grössere Stückzahl ist dieses Verfahren aber nicht geeignet, oder?

Die häufigsten Argumente gegen das Upcycling sind, dass es einerseits viel zu aufwändig sei, ein Kleidungsstück zu zerlegen und andererseits die fehlende Tauglichkeit zur Massenproduktion. Wenn man jedoch alle Produktionsschritte mitzählen würde, so käme das Upcycling in der Aufwands-Bilanz viel besser weg.

Kostümdesign und Bühnenbild, Gründung eines Modelabels, Auseinandersetzung mit Tönen sowie Konzeptionierung von Ausstellungen: Ihr Tätigkeitsgebiet ist sehr breit. Wo liegt Ihr Schwerpunkt?

Das ist schwer zu sagen, weil es sich je nach Auftrag und Projekt ändert. Insgesamt könnte man wohl sagen, dass sich meine Arbeit um Nachhaltigkeit und Gestaltung dreht und ich dabei experimentierfreudig bleibe und Wert auf Kollaboration mit anderen Disziplinen und Expertisen lege.

Welches der bisherigen Projekte hat Sie besonders inspiriert?

Unser Projekt POP-UP-SHOP aus den Jahren 2005 bis 2009. Ein paar Freundinnen aus Mode und Grafik und ich begannen gegen Ende unseres Studiums, leerstehende Objekte zu suchen und dort einen kreativen Prozess zu durchlaufen. So entstanden etwa zweimal pro Jahr Installationen, in denen alles – auf den Raum abgestimmt – zum gemeinsam erarbeiteten Thema passte. In den Einzelteilen waren es Objekte, Design, Bild, Video und Mode, aber als Ganzes ein Gesamtkunstwerk. Die Themen hiessen zum Beispiel «Himmel in Emo-Color» in einer Disco in Frankfurt oder Plantine (zwischen Pflanze und Platine) in einer alten Fabrik mitten im Wald bei Trier. Als sich unsere beruflichen Wege trennten, änderte sich die Art der Zusammenarbeit, und ich begann auch mit professionellen Kunstschaffenden zu kooperieren. In all diesen Projekten habe ich so richtig verinnerlicht, wie toll die Interaktion zwischen den Disziplinen ist und das Gemeinsame immer mehr ist als die Summe der Einzelnen.

Was steht im Moment bei Ihnen im Zentrum?

Konzeption und politische Arbeit für den Stellenwert des Upcyclings und der Reparierbarkeit, mein Engagement für «Fashion Revolution». Ausserdem bin ich seit zwei Jahren wieder mehr mit Kostümprojekten beschäftigt und gebe Kurse in Upcycling und Pflanzendruck.

Wie sehen Sie die Situation als Modemacherin und Künstlerin in der Schweiz?

Es gibt hier einen guten Nährboden. Es entstehen viele neue und tolle Initiativen, gerade im Off-Geschehen. Inspirierende Kunst- und Modeschaffende sind am Werk, aber gleichzeitig gibt es vergleichbar wenig Konkurrenz. Beziehungsweise sehen wir uns eher als eine Szene, die sich miteinander dafür einsetzt, dass das Publikum das Neue, Laute, Freche, Auffällige, Bunte und ‘Gewagte’ schätzen lernt und sich dabei wohlfühlt,  zu tragen, was ihm gefällt.

Interview: Robin Ziltener

Freitag-Frauen-Apéro, Fr, 30. September 2022, ref. Kirchgemeindehaus Kilchberg. Türöffnung: 19.00 Uhr, Veranstaltungsbeginn 19.30 Uhr. Eine Anmeldung bis 23. September unter ist erforderlich.

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